Riesenskandal in Oslo – damals noch Kristiania genannt – im Jahre 1907 auf einer christlichen Konferenz. Die Teilnehmer stöhnen, bewegen sich in Ekstase, zucken, stammeln. Außenstehende sind entsetzt.
Was war geschehen? – Es handelt sich um eine der Geburtsstunden der Pfingstbewegung. Um das zu verstehen, müssen wir fast 2000 Jahre zurückdrehen.
Jerusalem im Jahre 33. Die Jünger von Jesus sind ängstlich und orientierungslos, nachdem Jesus sie verlassen hat. Doch dann erleben sie gemeinsam etwas wie einen Sturm und wie ein Feuer in und über ihnen. Außenstehende sind entsetzt. – Das ist das sog. Pfingstwunder.
Das Wort „Pfingsten“ kommt vom griechischen „Pentekoste“ = „50“. 50 Tage nach dem Passahfest feierten die Juden das Fest „Schawuot“.
Wir feiern Pfingsten, dass der Heilige Geist ein für allemal unter uns gegeben ist. In der Zeit zuvor war er sozusagen nur punktuell am Werke, etwa in den biblischen Autoren. Seit Pfingsten ist er in allen, die an Jesus glauben. Pfingsten heißt auch der Geburtstag der Kirche.
Der Heilige Geist als ein Teil von Gott ist „Gott in uns“. Er wohnt nicht schon immer in uns, sondern kommt mit dem Glauben in uns hinein.
Die Symbole für den Heiligen Geist sind das Feuer – daher ist auch seine symbolische Farbe rot -, und die Taube, die von oben kommt. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Noah- oder Friedenstaube mit dem Ölzweig im Schnabel. Weiter ist der Wind ein Symbol des Geistes, allerdings kein gebräuchliches, da Wind nicht gut bildlich dargestellt werden kann.
Die evangelische Kirche hat lange Zeit die sog. Geistesgaben vernachlässigt. So vor allem das Sprachengebet, auch „Zungenrede“ genannt. Hier schenkt uns der Geist, in anderen Sprachen zu beten, die wir selbst nicht verstehen, in denen wir aber besondere Nähe zu Gott spüren.
Die Pfingstbewegung gilt als die am stärksten wachsende religiöse Gemeinschaft der Welt. Sie umfasst etwa 200 Millionen Christen weltweit, obwohl sie erst 100 Jahre alt ist. Sie betont das Gefühl und die wunderbaren Wirkungen Gottes und spricht so viele Menschen etwa in Afrika und Lateinamerika an. In Kiel gibt es immerhin zwei Pfingstgemeinden, zu deren Pastoren ich ein gutes Verhältnis pflege.
Pastor Johannes Pörksen
Die Bibel hat zwei Teile, das Alte und das Neue Testament – soweit, glaube ich, wissen die allermeisten Bescheid. – Aber warum denn ein „Testament“? – Das geht auf eine Bibelstelle (Jeremia 31,31) zurück. Dort kündigt der Prophet an, dass Gott sein Gesetz, das bisher nur auf Stein oder Papier stand, in die Herzen der Menschen geben wird. Das ist seine neue Verfügung oder eben sein neues „Testament“. (Das Wort „Bund“, das heute oft gebraucht wird, ist ungenau. Ein Bund ist meist zweiseitig, es geht aber um eine Verfügung, die Gott trifft.)
Dieses neue Gesetz im Herzen heißt auch das Evangelium, zu deutsch „Frohe Botschaft“. Nun haben wir merkwürdigerweise vier Evangelien im Neuen Testament. Die eine Geschichte von Jesus Christus wird uns aus vier Perspektiven erzählt. Mit unterschiedlichen Schwerpunkten wird dasselbe Evangelium weitergegeben. Bibelkenner reden deswegen auch vom „Evangelium nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes“.
Alle Schriften der Bibel zusammen bilden den Kanon. Das ist nichts zum Singen, sondern wörtlich die „Richtschnur“, nach der wir uns ausrichten. Die Schriften des Neuen Testaments etwa standen zuerst in den Gemeinden in Geltung, bevor sie zusammengetragen wurden, was seinen endgültigen Abschluss am Anfang des 4. Jahrhunderts fand. – Die Schriften, die damals außen vor geblieben sind, weil sie die Botschaft von Jesus verzerren, heißen Apokryphen („verborgene“ Schriftfen), z.B. das Thomasevangelium.
Zur Zeit der Reformation hat man einige Schriften aus dem Alten Testament weggelassen, weil sie nicht auf hebräisch vorlagen. Zum Beispiel das Buch Tobit, Judith und die Geschichte der Makkabäer. Diese Apokryphen des Alten Testaments tauchen in manchen Bibelausgaben auf. Sie sind sehr empfehlenswert. Man kann sich fragen, ob Luther und seine Kollegen hier richtig entschieden haben.
Die Ordnung der Bibel hat das Grundschema: Vergangenheit (Von 1. Mose bis Nehemia; im NT die Evangelien) – Gegenwart bzw. „zeitlos“ Gültiges (Psalmen, Sprüche; im NT die Briefe) – Zukunft (die Propheten; im NT die Offenbarung des Johannes).
Die Einteilung der einzelnen Schriften in Kapitel und Verse ist nicht original, sondern stammt aus dem Mittelalter. Sie ist hilfreich, sollte aber nicht überbetont werden.
Warum heißt das ganze Bibel? – das griechische „biblos“ heißt einfach: Buch. Die Bibel also ist das Buch. Als begeisterter Bibelleser kann ich dem nur beipflichten. – Wer immer Lust hat, in der Bibel zu lesen, möge sich bei mir melden.
Pastor Johannes Pörksen
Außenstehende hat es manchmal schockiert: Christen trinken Blut. Denn so lauten ja die Worte, wenn wir den Kelch mit dem Wein herumgeben: „Christi Blut (also: das Blut von Christus) für dich vergossen“.
Grundlagen: Beim Abendmahl geht es in besonderer Weise um die Begegnung mit Gott. In Jesus ist Gott selber in Brot und Wein gegenwärtig. Dabei geht es immer auch darum, dass uns von Gott eine Mauer trennt: unsere Sünde. Deswegen spielen folgende Elemente eine Rolle:
1. Bedenken der eigenen Sünde: ja, da ist eine Mauer („Beichte“).
2. Anrufen von Jesus Christus als „Lamm Gottes“ (Agnus dei). - Das heißt, als Opferlamm, das unsere Sünde auf sich nimmt und so die Mauer einreißt.
3. Lobgesang der Engel: Heilig, heilig, heilig (Sanctus) – wenn die Mauer eingerissen ist, sind wir wie im Himmel, mit den Engeln vereint.
Konflikte: Evangelische und Katholiken dürfen noch heute nicht offiziell gemeinsam feiern. Katholiken sollten von ihrer Kirche aus eigentlich nicht am evangelischen Abendmahl teilnehmen. Wir Evangelischen haben hier auch offiziell alle Freiheit.
Von katholischer Seite heißt das Abendmahl meist „Eucharistie“ (=„Danksagung“ für die Erlösung). Wir sagen „Abendmahl“ in Erinnerung an Jesus, der das Abendmahl am Abend vor seiner Kreuzigung, am „Gründonnerstag“, zum ersten Mal gefeiert hat.
Übrigens: erst seit 1973 ist auch innerhalb der Evangelischen Kirche aller Streit ums Abendmahl beigelegt („Leuenberger Konkordie“). Zuvor gab es Uneinigkeit, ob das Abendmahl nur ein Symbol ist (die „Reformierten“ in der Schweiz oder anderswo) oder ob Jesus irgendwie leibhaftig gegenwärtig ist (die „Lutheraner“, z. B. Wir). Die Einigung: Jesus Christus ist im Abendmahl, in den Worten, wenn wir essen und trinken, als Person gegenwärtig. Punkt. Wie man es sich vorstellen kann, bleibt offen. - Ich denke, das ist gut so, denn Gottes Gegenwart bleibt geheimnisvoll.
Die Praxis des Abendmahls ändert sich. Wir achten ohnehin schon auf Hygiene. Dennoch praktizieren immer mehr die „Intinctio“, das heißt, sie tauchen das Brot in den Wein, statt aus dem Kelch zu trinken. Es gibt auch Bestrebungen, Einzelkelche einzuführen (s. den Artikel meiner Frau).
Pastor Johannes Pörksen
Viele Menschen gehen zwar nicht in den Gottesdienst, sind aber beeindruckt vor allem von alten Kirchbauten. Manchmal stellen aber schon die Bezeichnungen ein Rätsel dar … hier eine kleine Hilfe:
Dom: bezeichnet eine Kirche, in der ein Bischof amtiert. Der Schleswiger Dom ist deswegen ein echter Dom, der „Dithmarschen-Dom“ in Meldorf nicht. Das Wort kommt aus dem Lateinischen „Domus“ = „Haus“.
Kathedrale: ist das gleiche wie ein Dom, nur bei uns als Wort nicht gebräuchlich. Der Name kommt von dem Katheder, dem „Lehrstuhl“ des Bischofs, der in der Kathedrale steht.
Kapelle: eine kleinere Kirche ohne eigenen Pastor; das Wort kommt wohl aus dem Lateinischen „Mäntelchen“, vielleicht weil man dort gut eine kleine Zuflucht bei einem Unwetter fand? – Wie die Kapelle zur Musikkapelle wurde, ist mir auch schleierhaft ….
Sie wussten mehr – Die Kapelle
Zu diesem Eintrag erreichten mich erleuchtende Hinweise von erlauchter Leserschar, für die ich mich herzlich bedanke.
Also: das Wort „Kapelle“, zu deutsch „Mäntelchen“, stammt wohl von der Verehrung eines halben Mantels des Heiligen Martin von Tours. Es wurde auch auf den Raum übertragen, in dem dieser Gegenstand verehrt wurde und dann auf solche kirchlichen Räume überhaupt. – Im nächsten Schritt wurden offenbar die regelmäßig in solchen Kapellen singenden Geistlichen „capellani“ genannt. Dies wurde wiederum auf Instrumentalmusiker übertragen und bildet so den Ursprung unserer Musikkapellen, zumindest vom Wort her.
Eine Geschichte mit einigen Windungen. Fast möchte ich fragen: Wer weiß wohl, warum nur der halbe Mantel des Martin von Tours verehrt wurde?
Basilika: bezeichnet einen antiken Bautyp, der für Kirchen übernommen wurde. Ursprünglich war eine Basilika ein Prachtbau - der Name kommt vom griechischen Wort für „König“. Eine Basilika hat mehrere „Schiffe“, das heißt, der Hauptraum ist durch Säulen unterteilt in einen größeren Raum in der Mitte, dem „Mittelschiff“, und die „Seitenschiffe“.
Stiftskirche: Gotteshaus, das durch eine Stiftung, also eine Schenkung mit Landbesitz, erbaut wurde. Von den Erträgen der Ländereien wurde die Kirche erhalten. Die Stiftskirche in Preetz ist ein Beispiel.
Kirche: Jeden Bau, in dem sich eine Gemeinde versammelt, um Christus anzubeten, können wir eine Kirche nennen. Das Wort stammt aus dem griechischen "kyriaké"="dem Herrn gehörig" („kyrios“=“Herr“). Zunächst bezeichnete es die Gemeinde der Christen, später auch ihre Bauten.
Übrigens, schon unsere Pfadfinder lernen es: Alle alten Kirchen sind nach Osten hin ausgerichtet oder „orientiert“ (lateinisch „orient“=„Osten“). Im Osten liegt Jerusalem, der Ort der Kreuzigung und Auferstehung von Jesus, und dort liegt die aufgehende Sonne.
Auch unsere Andreaskirche ist orientiert. Und wenn am Sonntagmorgen das Licht der Sonne durch die Glassteine im Kreuz unserer Vorderwand bricht, dann muss ich nichts mehr sagen, dann spricht unser Kirchbau von der Botschaft von Jesus Christus …
Pastor Johannes Pörksen
Auch Sie haben mehr Kenntnisse, als Sie denken. Deswegen werden Sie diesen Test für Gottesdiensteinsteiger und Gottesdienstprofis sicher gut bestehen. Kreuzen Sie an: was verbirgt sich hinter folgenden Begriffen?
Kollekte:
A: Einzigartige Form unkomplizierter Sozialfürsorge in der Kirche. Es wird ein Säckchen Geld herumgereicht, aus dem sich jeder Bedürftige bedienen kann. Aus Gründen der Diskretion werden dabei laute Danklieder gesungen.
B: Geldsammlung für einen guten Zweck während des Gottesdienstes
Apostolisches Glaubensbekenntnis:
A: Berühmter Ausruf des sonst unbekannten Künstlers Aposto, als er zum ersten Mal eine Kirche betrat: „Ich glaub, mich knutscht ein Kardinal!“
B: Glaubensbekenntnis, dass vom zweiten bis zum vierten Jahrhundert entstand. Es wurde festgelegt unter Bezug auf die wichtigsten Lehrsätze der Apostel (ein Apo-stel ist ein von Jesus Aus-gesandter, z.B. Petrus, Paulus)
Epistel:
A: Frau eines Apostels
B: Bibelabschnitt aus den Briefen des Neuen Testamentes, der jeweils einem bestimmten Sonntag zugeordnet ist.
Halleluja:
A: Hat sich entwickelt aus der spontanen Entgegnung vieler Gottesdienstbesucher auf die Bibellesung: “Lallst du, ja?“
B: Hebräisch, wörtlich: „Lobt den Herrn!“ - Eigentlich ein spontaner Ausruf der Freude, wie unser „Toll! Super!“ - Wird nach der Epistel gesungen.
Amen:
A: Heißt soviel wie: „Na endlich!“ Weil das Amen in der Kirche sicher ist, gibt es uns den Trost: auch die langweiligste Predigt ist einmal zu Ende.
B: Hebräisch (=die Ur-Sprache des Alten Testamentes), wörtlich: So ist es! (oder: So soll es sein!) Steht zur Bekräftigung. Mit dem Amen nimmt die Gemeinde ein Gebet des Vorbeters für sich an.
Ergebnis:
Wenn Sie „A“ angekreuzt haben: Kommen Sie zum Gottesdienst und staunen Sie! Wenn Sie „B“ angekreuzt haben: Wir heißen Sie als echten Profi im Gottesdienst willkommen!
Ihr Pastor Johannes Pörksen
Dieses Mal möchten wir gern wissen, wie gut Sie über die Sintflut informiert sind.
1. Frage: Wen sollte Noah nach Auftrag Gottes in die Arche mitnehmen?
2. Frage: In der Sintflutgeschichte wird erzählt, dass sich die Arche am
Ende der Flut auf einem Berg niederlässt. Wie heißt der Berg?
3. Frage: Aus welchem Material sollte Noah die Arche bauen?
4. Frage: Nach der Sintflut verspricht Gott den Menschen, dass er die
Erde nie wieder zerstören würde. Welches Zeichen erinnert an sein Versprechen?
Alles gewusst? Glückwunsch!!
Die Lösungen finden Sie, wenn Sie mit der Maus auf dieses Feld zeigen:
| Lösung: |
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1) Von allen Tieren je ein Paar und – seine Familie! Haben Sie daran gedacht?
2) der Berg Ararat (liegt in der heutigen Türkei) 3) aus Tannenholz 4) der Regenbogen |
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Wir werden Ihnen in Zukunft in jedem Gemeindebrief vier Fragen stellen; und Sie können testen, wie bibelfest Sie sind. Viel Spaß!
1. Frage: Gott schickte den Ägyptern 10 Plagen, um sie zu zwingen, das Volk Israel ziehen zu lassen. Welches war die letzte Plage?
2. Frage: Während der Wüstenwanderung zog Gott Tag und Nacht vor dem Volk Israel her. Nachts als Feuersäule. In welcher Erscheinung am Tag?
3. Frage: Aus dem 1. Buch Mose ist der Ausspruch überliefert: „Soll ich meines Bruders Hüter sein?“ Wer sagt das zu wem?
4. Frage: Mit welchem Satz beginnt die Bibel?
Alles gewusst? Glückwunsch!!
Die Lösungen finden Sie, wenn Sie mit der Maus auf dieses Feld zeigen:
| Lösung: |
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1. Alle erstgeborenen Söhne der Ägypter sterben.
2. In einer Wolkensäule. 3. Kain zu Gott. 4. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. |
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